Rimini Protokoll

Die Raubkopie einer parlamentarischen Sitzung // transkontinentale Telefon-Touren // von künstlicher Intelligenz gesteuerte Zuschauer*innen // ein LKW als mobiles Auditorium // ein Stück über Absichtslosigkeit mit drei Tourette-Betroffenen // 10.000 Heuschrecken als Hauptdarsteller // Karl Marx’ “Das Kapital” als dramatischer Text // Theater in einer Cloud // die internationalen Nachrichten als Schauspiel...

Helgard Haug, Stefan Kaegi und Daniel Wetzel haben im Jahr 2000  das Theater-Label Rimini Protokoll gegründet und arbeiten seither in verschiedenen Konstellationen unter diesem Namen. Stück für Stück erweitern sie die Mittel des Theaters, um neue Perspektiven auf die Wirklichkeit zu schaffen. 

Rimini Protokoll entwickeln ihre Bühnenstücke, Interventionen, szenischen Installationen und Hörspiele oft mit Expert*innen, die ihr Wissen und Können jenseits des Theaters erprobt haben. Außerdem übersetzen sie gerne Räume oder soziale Ordnungen in theatrale Formate. Viele ihrer Arbeiten zeichnen sich durch Interaktivität und einen spielerischen Umgang mit Technik aus.

So erklärten Rimini Protokoll zum Beispiel die "Hauptversammlung" der Daimler-Aktionär*innen zum Theaterstück oder inszenierten mit “Call Cutta" and "Call Cutta in a Box” eine transatlantische Unterhaltung zwischen einem Mitarbeiter eines indischen Call-Centers und je eine*r Theaterbesucher*in.

Mit „100% Stadt“ schufen sie eine weltweit immer wieder neu kontextualisierte Inszenierung, die 100 repräsentativ ausgewählte Bürger*innen der Stadt auf einer Theaterbühne versammelt. Bei ihrer Inszenierung "Welt-Klimakonferenz" spiegelten sie das Drama der Mammut-Diplomatie zum Schutz der Erdatmosphäre ins Hamburger Schauspielhaus. Für den Multiplayer-Video-Walk „Situation Rooms“ entwickelten sie ein hyperrealistisches Set, in dem 20 Zuschauer*innen auf den Spuren von Menschen wandeln, deren Biographien durch Waffen geformt wurden. 

In “Utopolis” lässt sich das Publikum von 48 tragbaren Lautsprechern durch die Stadt führen - um Kurs auf gemeinsame oder sich widersprechende Utopien aufzunehmen.

Die Stücke "Chinchilla Arschloch, waswas" (2020) “Situation Rooms” (2014) wie auch „Wallenstein“ (2006) und „Deadline“ (2004) wurden zum Berliner Theatertreffen eingeladen. Darüber hinaus erhielten Rimini Protokoll u.a. den Mülheimer Dramatikerpreis für "Karl Marx: Das Kapital, Erster Band", den Deutschen Theaterpreis Faust, den Grand Prix Theater des Schweizer Bundesamts für Kultur, den Europäischen Theaterpreis, den Silbernen Löwen der Theaterbiennale Venedig sowie den Deutschen Hörspielpreis und den Hörspielpreis der Kriegsblinden.

Seit 2003 befindet sich das Produktionsbüro von Rimini Protokoll in Berlin.