URBAN NATURE

Von Haug / Huber / Kaegi / Wetzel

Im Jahr 2008 lebten weltweit erstmals mehr Menschen in Städten als auf dem Land - im Jahr 2050 werden es bereits 68% der Gesamtbevölkerung sein.

Während der Industrialisierung im 20. Jahrhundert haben sich die Menschen in immer dichter strukturierten Siedlungen um Fabriken herum konzentriert. Die Produktion ist mittlerweile aber weitgehend aus den Städten verschwunden. Die Ära der postfordistischen Globalisierung separierte die Industrie zunehmend von ihrem sozialen Kontext. Eine Transformation. Nun wird in Städten mehr und mehr digital gearbeitet und Wert geschöpft – auf einem stetig wachsenden Immobilienmarkt: Eine Wohnung in Barcelona, Berlin oder Brisbane ist nicht mehr nur ein Zuhause, sie ist vor allem eine Kapitalanlage.

Wie nah beieinander können unterschiedliche Lebensentwürfe wohnen, ohne sich gegenseitig auszuschließen? Wie werden wir in Zukunft in Städten leben? Wie sollen unsere öffentlichen Räume beschaffen und wie die Privaten reguliert werden? Welche Ansätze gibt es dazu in welchen Städten?

URBAN NATURE versammelt Positionen und Biographien dazu in Person von Expert:innen aus verschiedenen Kulturkreisen. Doch treten diese Menschen nicht selbst auf, vielmehr schlüpfen die Museumsbesuchenden selbst im Rahmen der Installation in deren Haut und übernehmen alternierend verschiedene Perspektiven.

URBAN NATURE ist eine Installation, die sich in Museumsräume einfügt und Simulationen unterschiedlichster urbaner Räume zu einem Set versammelt. Dafür wird für mehrere Tablets ein Multi Player Video-Walk gedreht, der von den Besucher:innen Episode für Episode “mitgespielt” / “nachgegangen” wird. Alle 8 Minuten wechselt dabei die Perspektive. Die Vernetzung und Überschneidung der einzelnen simultan gedrehten Episoden leiten die Besucher:innen im Nachvollziehen der verschiedenen Perspektiven und Aktionen zur Kooperation an. URBAN NATURE wird so zum heterogenen Brennglas gegensätzlicher Positionen und Ansätze; zum Sammelbecken paralleler, jedoch nicht direkt aufeinander bezogener Entwicklungen - es entsteht ein Parcours für ein temporäres Kollektiv, in dem jeder jede Perspektive durchspielt und mit den anderen in Abgleich bringt. So wird ein scheinbar immer wieder lokales Phänomen in ein räumliches Modell überführt, das urbane Überlebensstrategien und Utopien aus sehr unterschiedlichen Städten und Kontinenten in einer begehbaren Meta-Stadt der Zukunft greifbar macht.

 

Konzept / Text / Regie: Helgard Haug, Stefan Kaegi, Daniel Wetzel
Szenografie / Konzept: Dominic Huber
Recherche: Meret Kinderlen, Clara Duch
Technische Leitung: Sven Nichterlein
Produktionsleitung: Juliane Männel
 
Eine Produktion von Centre de Cultura Contemporània de Barcelona – CCCB und Rimini Apparat.
In Koproduktion mit Kunsthalle Mannheim, Nationaltheater Mannheim und Grec Festival
de Barcelona. Gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes, von der Beauftragten des Bundes für Kultur und Medien und durch die Senatsverwaltung für Kultur und Europa. In Zusammenarbeit mit Mediapro und Institut del Teatre.