Träumende Kollektive. Tastende Schafe (Staat 3)

Von Daniel Wetzel

Staat 1-4

Mit der Serie Staat 1–4 begibt sich Rimini Protokoll auf eine Recherche in die Felder außerhalb dessen, was heute vom Nationalstaat organisiert und kontrolliert werden kann. Rimini Protokoll schaut zurück auf das Wesen der Gewalten, deren Teilung einmal die wesentlichen Mechanismen zur Kontrolle des staatlichen Gefüges strukturieren sollte. Inwieweit sind diese Gewalten noch in der Lage, die entscheidenden Impulse zur Veränderung zu regulieren, denen die Gesellschaften ausgesetzt sind?

 

Träumende Kollektive. Tastende Schafe (Staat 3)

Ein interaktives Stück für eine Cloud aus bis zu 120 Theaternutzern. 
Data-Mining und Big Data, digitale Echokammern und Machine Learning: Das Internet produziert alternative Formen der Partizipation und stellt hergebrachte Praktiken der Meinungsbildung in Frage. Mit Ausgangspunkt in Griechenland, wo die Demokratie erst kürzlich zu scheitern schien, erkundet Rimini Protokoll nach Top Secret International (Staat 1) über global agierende Geheimdienste und Gesellschaftsmodell Großbaustelle (Staat 2) über die Großbaustelle als ein Modell für die aktuelle gesellschaftliche Verfasstheit im dritten Teil der Tetralogie über Phänomene der Postdemokratie die Bedeutung des digitalen Raums für demokratische Prozesse.

Das Jahr 1990 markierte einen Einschnitt: Nach dem Fall der Berliner Mauer wurde mit der Vereinigung der beiden deutschen Staaten der Kalte Krieg beendet. Gleichzeitig begann etwas Neues: Im Jahr 1990 wird das Internet für die kommerzielle Nutzung freigegeben und damit zu einer der ersten gesamtdeutschen kollektiven Erfahrungen; es prägt die Arbeitswelt, die soziale Kommunikation und das Verhältnis zu politischen Institutionen. Wie geht eine neue Generation, die nun mit der ganzen Welt vernetzt ist, mit Fragen persönlicher, sozialer und politischer Identität um? Wodurch wird ihr Wahlverhalten beeinflusst: Werden demokratisch legitimierte Wähler*innen durch algorithmische Legitimationen ersetzt? Welche Erwartungen stellen wir an die Mechanismen demokratischer Willensbildung? Welche Formen von Partizipation und Demokratie sind für uns relevant? Daniel Wetzel fragt nach dem Wert der Ware Daten und bringt diese in einer sinfonischen Situation zum Klingen. Mit einer Smartphone-App ausgestattet begeben sich die Zuschauer*innen in einen permanenten Abstimmungsprozess. Das Publikum selbst wird dabei zum Klangkörper, der netztypische Dynamiken des Schwarmverhaltens überführt – in den analogen Raum.

 

Konzept / Text / Regie: Daniel Wetzel
Co-Autorin: Ioanna Valsamidou
mit: Kostis Kallivretakis, Vassilis Koukalani 
Bühne: Magda Plevraki
Software System Design und Implementierung: Dimitris Trakas (VIRA)
Musik, Sound Design: Lambros Pigounis, Peter Breitenbach
Licht, Technische Leitung: Martin Schwemin
Dramaturgie: Julia Weinreich

Regieassistenz, Recherche,: Andreas Andreou
Assistenz, Recherche: Annette Müller
Regieassistenz : Nora Otte
Bühnenbildassistenz: Natasha Tsintikidi, Sarah Hoemske
Mitarbeit Szenographie: Guy Stefanou
Gui design: Renia Papathanasiou (VIRA)
Video-Animation: Grit Schuster
Video: Mathias Oster
Live Statistik Video: Caspar Schirdewahn
Auf dem Video: Detlef Rohrmann
Stimmen: Rosa-Mathilde Muck, Oskar Loßnitzer, Zoï Wetzel

Produktionsleitung Staat 3: Violetta Gyra, Paula Oevermann
Projektkoordination Staat 1-4: Jessica Páez
Third Eye, Dramaturgie Staat 1-4: Imanuel Schipper
Produktionsassistenz Rimini Protokoll: Anna Florin
Produktionshospitanten: Mathias Oster, Caspar Schirdewahn, Dimos Klimenof, Vassilis Lianos, Konstantina Ypsilopati (CGS Athen) inspizienz Norman Schaefer
Eine Produktion von Rimini Protokoll und dem Staatsschauspiel Dresden 
Staat 3 ist Teil der Produktionsserie Staat 1–4, einer Kooperation zwischen Haus der Kulturen der Welt, Münchner Kammerspiele, Düsseldorfer Schauspielhaus, Staatsschauspiel Dresden, Schauspielhaus Zürich und Rimini Protokoll im Rahmen des HKW-Langzeitprojekts 100 Jahre Gegenwart.
Gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. Staat 1 wurde vom Goethe-Institut mitinitiiert und koproduziert.