Gesellschaftsmodell Grossbaustelle (Staat 2)

Von Stefan Kaegi

Staat 1-4
Mit der Serie Staat 1–4 begibt sich Rimini Protokoll auf eine Recherche in die Felder außerhalb dessen, was heute vom Nationalstaat organisiert und kontrolliert werden kann. Rimini Protokoll schaut zurück auf das Wesen der Gewalten, deren Teilung einmal die wesentlichen Mechanismen zur Kontrolle des staatlichen Gefüges strukturieren sollte. Inwieweit sind diese Gewalten noch in der Lage, die entscheidenden Impulse zur Veränderung zu regulieren, denen die Gesellschaften ausgesetzt sind?

 

Gesellschaftsmodell Großbaustelle (Staat 2)

Der Berliner Flughafen, das italienische “Generationenprojekt” A3 oder die Fußballstadien von Qatar: Was erzählen Großbaustellen über unsere Gesellschaft – ihre verborgenen Choreografien verschobener Fertigstellung und Kostenkorrekturen, die komplexen Verflechtungen wirtschaftlicher und politischer Akteure, die undurchsichtigen Verbindungslinien in alle Welt – über unsere Gesellschaft? Warum bauen Staaten und für wen? Was geht vor: Partizipation oder Masterplan? 

Nach Top Secret International (Staat 1)

über global agierende Geheimdienste beschäftigt sich Rimini Protokoll im zweiten Teil ihrer der Tetralogie über Phänomene der Postdemokratie mit der Großbaustelle als einem Modell für die aktuelle gesellschaftliche Verfasstheit. Darin folgt das Publikum sieben Experten auf szenischen Baustellenführungen über die Simultanbühnen eines sich immer weiter auffächernden Raumes: Ein rumänischer Bauerbeiter nimmt die Zuschauer mit zum Fliesenverlegen, um von Überstunden und Schwarzarbeit zu erzählen, eine Anlageberaterin entwirft eine Kostennutzenrechnung für Investitionen in „Betongold“, ein Baurechtler führt Zuschauer*innen in den “Kampfsport Nachtragsforderungen” ein, der ehemalige Entrauchungsplaner des Berliner Flughafens BER rekonstruiert seine Baustelle, um das eigene Bauernopfer gegenüber der Politik zu verstehen, ein Anwalt wirft einen Blick hinter die Kulissen des grösstengrößten Korruptionsfalles von in Nordrhein-Westfalen, und ein Ökonom schaut von einer Schweizer Übersichtsterrasse in Singapur aus auf einen Masterplan für postfossiles Bauen. So entsteht ein räumliches Wimmelbild, an dem wiederum ein Ameisenforscher aufzeigt, wie ein Staat bauen könnte, dessen Bewohner*innen Partizipation nicht als Summe von Partikularinteressen verstehen.

 

Eine Produktion von Rimini Protokoll und dem Düsseldorfer Schauspielhaus

Konzept / Text / Regie: Stefan Kaegi
Bühnenbild: Dominic Huber
Video: Mikko Gaestel
Musik: Fabian Schulz
Licht: Konstantin Sonneson
Dramaturgie: Robert Koall
Third Eye, Dramaturgie Staat 1-4: Imanuel Schipper
Recherche: Wilma Renfordt
Projektkoordination: Jessica Páez

Mit Sonja-Verena Breidenbach, Dieter Läpple, Alfredo Di Mauro, Jürgen Mintgens, Marius Ciprian Popescu, Andreas Riegel, Reiner Pospischil, Fang Yun Lo

 

Staat 2 ist Teil der Produktionsserie Staat 1–4, einer Kooperation zwischen Haus der Kulturen der Welt, Münchner Kammerspiele, Düsseldorfer Schauspielhaus, Staatsschauspiel Dresden, Schauspielhaus Zürich und Rimini Protokoll im Rahmen des HKW-Langzeitprojekts 100 Jahre Gegenwart.
Gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. Staat 1 wurde vom Goethe-Institut mitinitiiert und koproduziert.