Gesellschaftsmodell Grossbaustelle (Staat 2)

Von Stefan Kaegi

Staat 1-4

Mit der Serie Staat 1–4 begibt sich Rimini Protokoll auf eine Recherche in die Felder außerhalb dessen, was heute vom Nationalstaat organisiert und kontrolliert werden kann. Rimini Protokoll schaut zurück auf das Wesen der Gewalten, deren Teilung einmal die wesentlichen Mechanismen zur Kontrolle des staatlichen Gefüges strukturieren sollte. Inwieweit sind diese Gewalten noch in der Lage, die entscheidenden Impulse zur Veränderung, denen die Gesellschaften ausgesetzt sind, zu regulieren?

 

Gesellschaftsmodell Großbaustelle (Staat 2)

Der Flughafen BER und die Staatsoper in Berlin, die Hamburger Elbphilharmonie, das „Generationenprojekt“ Autobahn A3 in Italien: Was erzählen die allgegenwärtigen Großbaustellen – die verborgenen Choreografien verschobener Fertigstellung und Kostenkorrekturen, die komplexen Verflechtungen unzähliger Akteure hinter den Kulissen, die nicht sichtbaren Verbindunglinien in alle Welt – über unsere Gesellschaft?

Nach Top Secret International (Staat 1) über global agierende Geheimdienste beschäftigt sich Rimini Protokoll in der zweiten Produktion der Tetralogie über Phänomene des postdemokratischen Staats mit der Großbaustelle als ein Modell für die aktuelle gesellschaftliche Verfasstheit. Am Düsseldorfer Schauspielhaus, das derzeit hinter den Baugerüsten und Kränen einer benachbarten Großbaustelle verschwindet, überführen Rimini Protokoll das verschachtelte Geflecht aus internationalen Investoren, Baukonsortien und Auftraggebern bis hinunter zu Auftragnehmern, outgesourcten Zulieferfirmen und Schwarzarbeitern in ein großes begehbares Raummodell. Vom Stadtplaner bis zum Polier kommen darin mit ihren Biografien und Positionen all diejenigen zu Wort, die auf der Baustelle oft aneinander vorbeiarbeiten und dabei auf eine interessante Weise den globalen Arbeitsmarkt abbilden.

Eine Produktion von Rimini Protokoll und dem Düsseldorfer Schauspielhaus

Konzept / Text / Regie: Stefan Kaegi
Bühnenbild: Dominic Huber
Dramaturgie: Robert Koall
Third Eye, Dramaturgie Staat 1-4: Imanuel Schipper
Recherche: Wilma Renfordt
Projektkoordination: Jessica Páez


In Zusammenarbeit mit den Staatlichen Antikensammlungen und der Glyptothek München.
Die Produktionsserie Staat 1–4 ist eine Kooperation zwischen Haus der Kulturen der Welt, Münchner Kammerspiele, Schauspielhaus Düsseldorf, Staatsschauspiel Dresden, Schauspielhaus Zürich und Rimini Protokoll im Rahmen von 100 Jahre Gegenwart. Gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. Staat 1 wurde vom Goethe-Institut mitinitiiert.