Drei Pförtner aus Cordoba

Stefan Kaegi zeigt Torero Portero in Frankfurt

Von Eva Maria Nagel

16.11.2003 / Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung

Frankfurt. Ist das Theater? Eigentlich nicht. Aber dennoch ist es eine Vorstellung, der die Zuschauer beiwohnen, die im Inneren eines leergeräumten Ladens an der Frankfurter Allerheiligenstraße sitzen und durch die Scheibe nach draußen starren. Dort stehen drei Männer in dicken Jacken, sie erzählen aus ihrem Leben. Es sind arbeitslose Pförtner aus Cordoba, Opfer der argentinischen Wirtschaftskrise. Stefan Kaegi zeigt für den Mousonturm "Torero Portero". Dafür stellt er die Pförtner, ihre Erfahrungen, ihre Träume und Enttäuschungen mitten in die Stadt, die zur Kulisse wird, samt Passanten als Mitspieler. Die bleiben stehen, werden manchmal von Scheinwerfern verfolgt. Eine Frau faßt die kleine Discokugel an, die vor dem Laden über dem Gehsteig hängt. Die Zuschauer hinter Glas nehmen das alles wahr wie einen Film, sie sitzen in der Loge und beobachten die ehemaligen Beobachter. "Hier habe ich gearbeitet", sagt der eine, ein Video, das ihn in einem riesigen Stadion zeigt, wird eingeblendet. Ein anderer berichtet von seltsamen Hausbewohnern, der dritte erklärt, warum man nicht an Studenten vermieten darf. Theatrale Ready-Mades nennt Kaegi das. Wer seine vorigen Projekte gesehen hat, erkennt das Muster wieder. Doch wozu verändern, was immer wieder so gut funktioniert? In diesem Fall ergeben Straßenszenen, die Berichte der Pförtner, Fußball und ein Film mit Michael J. Fox eine Inszenierung, die nicht nur als solche, in ihrer ganzen Konstruiertheit, höchst vergnüglich ist: Sie erzählt kleine, traurig-schöne Geschichten vom Leben. (Weitere Vorstellung heute um 19.30 Uhr, Allerheiligenstraße 7.) Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, , Nr. 46 / Seite R4


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Torero Portero