Société en chantier / Society under Construction

Von Stefan Kaegi

Der Berliner Flughafen, das italienische “Generationenprojekt” A3 oder die Fußballstadien von Qatar: Was erzählen Großbaustellen über unsere Gesellschaft – ihre verborgenen Choreografien verschobener Fertigstellung und Kostenkorrekturen, die komplexen Verflechtungen wirtschaftlicher und politischer Akteure, die undurchsichtigen Verbindungslinien in alle Welt – über unsere Gesellschaft? Warum bauen Staaten und für wen? Was geht vor: Partizipation oder Masterplan? 

Nach Top Secret International (Staat 1) über global agierende Geheimdienste beschäftigt sich Rimini Protokoll im zweiten Teil ihrer der Tetralogie über Phänomene der Postdemokratie mit der Großbaustelle als einem Modell für die aktuelle gesellschaftliche Verfasstheit. Darin folgt das Publikum sieben Experten auf szenischen Baustellenführungen über die Simultanbühnen eines sich immer weiter auffächernden Raumes: Ein rumänischer Bauerbeiter nimmt die Zuschauer mit zum Fliesenverlegen, um von Überstunden und Schwarzarbeit zu erzählen, eine Anlageberaterin entwirft eine Kostennutzenrechnung für Investitionen in „Betongold“, ein Baurechtler führt Zuschauer*innen in den “Kampfsport Nachtragsforderungen” ein, der ehemalige Entrauchungsplaner des Berliner Flughafens BER rekonstruiert seine Baustelle, um das eigene Bauernopfer gegenüber der Politik zu verstehen, ein Anwalt wirft einen Blick hinter die Kulissen des grösstengrößten Korruptionsfalles von in Nordrhein-Westfalen, und ein Ökonom schaut von einer Schweizer Übersichtsterrasse in Singapur aus auf einen Masterplan für postfossiles Bauen. So entsteht ein räumliches Wimmelbild, an dem wiederum ein Ameisenforscher aufzeigt, wie ein Staat bauen könnte, dessen Bewohner*innen Partizipation nicht als Summe von Partikularinteressen verstehen.

"Société en Chantier“ ist die französische / international erweiterte Version von "Gesellschaftsmodell Großbaustelle (Staat 2)“ von Rimini Protokoll und Düsseldorfer Schauspielhaus, in Zusammenarbeit mit dem Haus der Kulturen der Welt Berlin (2017)

 
Konzept, Regie: Stefan Kaegi
Bühne: Dominic Huber
Recherche: Viviane Pavillon
Dramaturgie: Imanuel Schipper
Regieassistenz: Tomas Gonzalez
Sounddesign: Stéphane Vecchione
Régie générale: Stéphane Janvier
Lichtregie: Christophe Kehrli
Soundregie: François Planson
Bühnenregie: Mathieu Pegoraro, Xavier De Marcellis, Jean-Daniel Buri
Videoregie: Marc Vaudroz, Nicolas Gerlier, Olivier Vuillamy
Produktionsleitung: Sylvain Didry, Tristan Pannatier
Mit: Mélanie Baxter-Jones
Geoffrey Dyson
Matias Echanove ou Amin Khosravi
Tianyu Gu
Laurent Keller ou Jérôme Gippet
Viviane Pavillon ou Tristan Pannatier
Alvaro Rojas Nieto
Mathieu Ziegler
 
Produktion: Théâtre Vidy-Lausanne
Koproduktion: Rimini Apparat - La Villette et Festival Paris l’été - Bonlieu, Scène nationale Annecy - Malraux, Scène nationale Chambéry Savoie - Fonds de dotation du Quartz (Brest) - Scène nationale d’Albi - Festival de Marseille - Edinburgh International Festival
 
Mit der Unterstützung von:
Projet PEPS dans le cadre du programme européen de coopération transfrontalière Interreg France-Suisse 2014-2020 - FVE (Fédération Vaudoise des Entrepreneurs) - Fondation Casino Barrière de Montreux
 
Produktion der deutschen Fassung "Gesellschaftsmodell Großbaustelle (Staat 2)": Rimini Apparat, Düsseldorfer Schauspielhaus, Haus der Kulturen der Welt (HKW)