Philipps Fanfaren

Von Haug/Wetzel

Kirchen nutzen Glocken, um auf sich aufmerksam zu machen, die Stadt Sirenen, der Hahn am Rathaus bespielt polyrhythmisch das Verhältnis von Administration, Spiritualität und Humor. Im 500. Jahr ihres Bestehens wird die Universität ein Zeichen installieren, das das Zusammenspiel ihrer Einheiten täglich anklingen lässt: 19 “Fanfaren” - an 19 Gebäuden dauerhaft installiert - werden eine Komposition abspielen, von der an jedem Gebäude immer nur eine der 19 akustischen Spuren hörbar ist. 
 
Ein elektronisches Stück, dessen Material aus der Uni kommt und Semester für Semester aktualisiert werden kann. Einmal im Semester wird überprüft werden: stimmt das noch so? Was hat sich verändert? Wie klingen wir jetzt? Sind wir überhaupt noch zu hören? Und dann eine entsprechend aktualisierte Fassung einzuspeisen.
 
So kann es jedes Semester neu klingen, in 20 Jahren sicherlich sehr anders. Und in 500?
 
Mit “Philipps Fanfaren” fragen Haug / Wetzel Angehörige der Universität in allen Bereichen: Welches spezielle Geräusch begleitet Ihre Arbeit an der Uni? Und was würden wir hören, wenn die Uni ein Klang wäre, allgemein? Die Antworten sind mittlerweile hunderte von Beschreibungen und bereits viele Aufnahmen, die immer wieder neu kombiniert in die automatisieren Komposition einfließen – von Knochensäge, Ultraschall-Wasserbad, Transponderpiepsen, Pillenstanzmaschine, vom Schnappen der Türen, dem Klopfen auf den Tischen am Ende einer Vorlesung,  vom Blättern in einem Buch, dem Tippen auf der Tastatur, dem Gluckern der Kaffeemaschine, dem Akkord aus Bundesstraße 3 und Bahn, der Fahrstuhlstimme, Schritten im Flur, dem Rollen einer Flasche den Hörsaal hinunter….. 
 
Zur Beschreibung der Uni als Klang, denken Befragte an den Klang vieler Stimmen, einen klaren Gong, an Free-Jazz, ein wohlklingendes Orchester mit dissonanten Unterklängen und vieles mehr - 25.000 Menschen, 25.000 Klangbilder.  “Philipps Fanfaren” will die Frage nach dem Zusammenklang des Unterschiedlichen wachhalten, wie der Hahn die Frage nach der Aufklärung und jede klingende Ampelanlage, dass manche unter uns dort Fragen haben, wo wir alle Bescheid zu wissen meinen. 
 
Während diese 19 Fanfaren, die über die ganze Stadt verteilt sind, Teile des Ganzen hörbar machen, versammelt das “Fanfarium”, ein Apparat im Kunstmuseum, alle 17 Stimmen zu einem Klangkörper und macht sie hörbar.
 
 
Von: Helgard Haug und Daniel Wetzel
Programmierung / Technische Leitung: Joscha Eckert
Gestaltung / Szenographie: Dominik Steinmann
Unterstützung Recherche: Tabea Gruß
 
in Zusammenarbeit dem Studentisches Sinfonieorchester Marburg e. V. und der Komponistin Jieun Jun