House of Hopes

Von Stefan Kaegi / Daniel Wetzel

Am 7. Oktober 1989 wird auf der Karl-Marx-Allee der 40. Jahrestag der DDR mit einer Militärparade gefeiert. Zeitgleich versammeln sich im Seitenfoyer der Volksbühne Vertreter*innen aller Ostberliner Theater. Einen Monat später wird daraus eine der größten Demonstrationen der deutschen Geschichte mit rund einer Million Menschen.
 
Aber nicht nur in Berlin scheint Ende der 1980er Jahre eine Hoffnung auf mehr Mitbestimmung und wirtschaftliche Eigenständigkeit greifbar: Aus Afghanistan ziehen sich die letzten sowjetischen Truppen zurück. In China sind zehntausende Student*innen auf der Straße. In Namibia wird zum ersten Mal frei gewählt. Und in Südkorea beginnt die Aufarbeitung von 26 Jahren Militärdiktatur. Rund um den Erdball breitet sich das Gefühl aus, dass Mehrheiten ihre Regierungen zur Vernunft bringen könnten. Mehr Bewegungs- und Redefreiheit, aber auch mehr Teilhabe scheint möglich.
 
In "House of Hopes" begibt sich das Publikum auf die Spuren des damaligen Aufbruchs und auf eine Hausbegehung, die im Kassenfoyer beginnt und über Treppen und Foyers durch die Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz in die Gegenwart führt. Die Architektur des Hauses wird zum Schauplatz für zehn autobiografische Erzählungen aus Ländern rund um den Erdball. Hoffnungsvoll fragen sie nach der Esperanza in der Kampagne gegen die Diktatur Pinochets, der Speranță auf Freiheit nach der Hinrichtung der Ceaușescus, erinnern an die Nadzieja der Gewerkschaftsbewegung in Polen oder an den Omid auf einen weniger grausamen iranischen Staat nach dem Tod Khomeinis.
 
"House of Hopes" setzt die Fluchtlinien des historischen Wendepunkts 1989 in eine Gegenwart fort, in der die vereinende Kraft der Hoffnung gesucht wird und zur Debatte steht: Warten wir ab, wenn wir hoffen, oder machen wir möglich?
 
 

Mit: Anoush Azizi, Till Gedack, Vera Jonas, Nataly Jung-Hwa Han, Israel Kaunatjike, Joanna Kusiak, Corey Scott-Gilbert, Sir Henry, Verónica Troncoso, Homan Wesa, Zhu Yuan, Anca Berlogea-Boariu (Video)

Konzept, Regie: Stefan Kaegi, Daniel Wetzel
Bühne, Kostüm: Lili Anschütz
Video Design: Grit Schuster
Musik und Sound Design: Nikolas Neecke
Dramaturgie: Juliane Männel, Aljoscha Begrich
Dramaturgie Volksbühne: Johanna Höhmann
Produktionsleitung: Monica Ferrari 
Recherche, Casting: Lisa Homburger

Inspizenz/Künstlerische Produktionsleitung: Philip Decker
Regieassistenz: Maximilian Pross
Bühnenbildassistenz: Albertine Mietusch
Kostümassistenz: Linda Siegel, Luise Schumacher
Regiehospitanz: Hannes Bell, Philip Meedom, Nina Račeta, Johanna Wittbrodt, Lotus Wu
Bühnenbildhospitanz: Celina Cruz, Theresa Osburg

Eine Koproduktion von Rimini Protokoll und der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz. Gefördert vom Fonds Darstellende Künste aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.