Cargo Texas-Toulouse

Eine trans-atlantische LKW-Fahrt

Von Stefan Kaegi

Fernfahrer tragen ihre Vornamen direkt hinter der Windschutzscheibe, sitzen drei Meter über der Straße und haben 500 PS unter dem rechten Fuß. Sie haben viele Länder gesehen, aber kennen die Städte nur von ihren Ausfahrtsschildern. In ihre Biografien hat sich die Geschichte der Globalisierung eingeschrieben. 
 
„Cargo Texas-Toulouse“ ist ein gelebtes räumliches Modell, ein umgebauter Lastwagen, der statt Waren Erzählungen transportiert. Auf der linken Seite ist er durchsichtig: Ein mobiler Zuschauerraum, der den Blick auf West-Lausanne freigibt. 
In Toulouse werden jeden Abend 46 Zuschauer auf eine zweistündige Reise verfrachtet: Autobahnraststätten, Verladerampen, Lagerhallen... Zu diesen Ready-Made-Bühnenbildern des Transits fügen sich Truckerbiographien aus dem Führerstand.
Unterwegs begegnen die beiden Trucker Spediteuren und Kranfahrern: Sie arbeiten in flutbelichteten Hallen in der kalten Herbstnacht, während andere ins Theater gehen. 
Rhythmen und Filmmusik vertonen die vorbeiziehende Stadt Kurve für Kurve. Wo Ware war, sitzen Zuschauer und blicken durch die Scheibe zurück auf ihre Stadt, die immer weiter weg zu liegen scheint.
 
Konzept / Regie: Stefan Kaegi
Musik: Florent Paris
Video: Raphaël Granvaud-Perez
Regieassistenz: Leslie Hagimont
Produktion: Rimini Protokoll, Théâtredelacité - CDN Toulouse Occitanie
 
Basierend auf Cargo Sofia-X, eine Produktion von HAU Hebbel am Ufer Berlin und Goethe-Institut Sofia 2006