Call Cutta at Home

Von Haug / Kaegi / Wetzel

Wer ist da am anderen Ende der Service-Leitung? Wie sehen unsichtbare Arbeiter aus? Was bedeutet Outsourcing in Zeiten von Corona? Kann ein indisches Zuhause in ein Call Center umgewandelt werden? Wann wird Künstliche Intelligenz solche Dienstleitungen ersetzen?
 
Rimini Protokoll lädt zu einer interkontinentalen Videokonferenz ein, über Outsourcing und Telemarketing.
 
Vor mehr als 12 Jahren inszenierte Rimini Protokoll ein performatives 1:1 Treffen zwischen einem Mitarbeiter eines indischen Call Centers und einem europäischen Theaterbesucher per Telefon und Skype. Das Gespräch drehte sich zunächst um das Geschäft und wurde dann immer privater und intimer.
„Call Cutta in a Box ist die wohl angenehmste, charmanteste, einnehmenste Art, wie ich jemals 50 Minuten mit einem komplett fremden Menschen verbracht habe“, schrieb die The NZ Performing Arts Review & Directory.
 
Im Jahr 2020 wird dieses Stück zu einer Quelle der Inspiration für eine spezielle Adaption für ein internationales Publikum: Bis zu 20 Zuschauer:innen können Teil der jeweiligen Version sein.
Ein Moderator und Übersetzer leitet eine Zoom-Session, empfängt die Gäste und übersetzt die Performance (im Chat-Fenster).
Die Performer:innen sind im eigenen Zuhause in Kalkutta und Tallinn.
 
Während der einstündigen Performance zeigt der/die Performer*in das Zuhause, spricht über die wirtschaftlichen und persönlichen Auswirkungen der Arbeit im Call Center, zeigt Videos, stellt Fragen an die internationalen Zuschauer, worauf diese Antworten, indem sie bestimmte Teile ihres Zuhauses oder Objekte in ihrer Nähe zeigen.
Nach und nach wird das Stück immer intimer. Es kann Szenen für das Schlafzimmer geben, Szenen für die Küche und andere, für das Badezimmer oder sogar unter dem Bett. Das Publikum begleitet diese Reisen in den eigenen Schlafzimmern, Küchen, usw. Es kann Momente geben, in denen man zusammen die Karaoke Versionen von Bengali-Liedern singt und sogar zusammen mit dem/der Darsteller*in und dem gesamten Publikum zu russischer Musik tanzt.
Social Distancing als eine Gelegenheit für neue und spielerische Begegnungen mit Menschen, die weit entfernt sind von der eigenen Realität.
 

Idee, Text, Regie: Haug / Kaegi / Wetzel
Performer:innen: Madhusree Mukherjee, Sunayana Roy
Technik: Ksenia Kozhevnikova

Eine Produktion von Rimini Apparat, koproduziert vom VI International Summer Festival of Arts "The Access Point“.
Call Cutta at Home St. Petersburg wurde unterstützt von „Pro Helvetia“.
 
Basierend auf „Call Cutta“ - einer Produktion von Goethe Institut Kolkata, Hebbel am Ufer Berlin, Rimini Apparat, 2005 und „Call Cutta in a Box“ – einer Produktion von Hebbel am Ufer Berlin, 2008.