Schwarzenbergplatz

By Vorspiel-text

25.05.2020 /

In Kanada war ich im Fechtclub, in Malaysia habe ich gern Polo geschaut. Für einen Empfang bei Fidel Castro habe ich mir das Dirndl, das ich in Kuala Lumpur zum österreichischen Nationalfeiertag tragen musste, zum Cocktailkleid umgenäht. Die Nähmaschine war mein Psychiater. Mein Pass ist von meinem Mann signiert. In London habe ich mich scheiden lassen. Jetzt habe ich noch einen Tisch, an dem Klestil saß; sonst habe ich alles weggegeben. Im Grunde habe ich mein Leben lang immer nur ein- und ausgepackt.Brigitte Hörbinger. Executive Housewife in Kairo, Kuala Lumpur, Washington, Havanna, Montreal und London, lebt heute in Wien.Am besten läuft Österreich. Vor allem zum Staatsfeiertag am 1.Mai, da steigt der Absatz. Italien, Frankreich oder Kolumbien nähen wir selbst. Das sind Grundfarben. Mit Ornamenten wird's schwieriger. Der Preis ist abhängig vom Aufwand - Tadschikistan zum Beispiel ist sehr schwierig.Ulrike Zimmel, Inhaberin “Fahnen Christl" in der Kirchengasse Wien.Mein Vater hat offenbar früh erkannt, dass ich keine besonderen Begabungen habe. Also hat er gemeint: Am besten, er wird Diplomat. Gute Übersetzung und deutlicher Ausdruck sind das A und O auch der Diplomatie. Nichts ist schlimmer, als wenn jemand beginnt mit „Ich will keine lange Rede halten“. - Höchstens noch dieser völlig unnötige Satz “meine Damen und Herren, ich komme zum Schluss".Botschafter Dr. Wolfgang Wolte, Botschafter i.R. in Peking und New York.Ich habe Venezuela zu Fuß verlassen, irgendwie kam ich dann nach Mexiko und von dort nach Österreich. Der Datums-Stempel an der Grenze war irgendwie kaputt. So konnte ich ein Jahr statt nur 3 Monate bleiben. Inzwischen habe ich geheiratet. Ich meide meine Botschaft so gut es geht.Eduardo Ramirez, Venezuela.Das Gerät zur Überprüfung der Pässe nennen wir Brotdose. Aber die meisten falschen Pässe sind heute Look-a-likes: Geklaute Pässe von Menschen, die anderen Menschen ähnlich sehen. Chinesen sehen für uns ja alle gleich aus. Aber den Unterschied sieht man am Ohrläppchen oder am Abstand der Augen. Ich bin Enkel von Wenzel Kowárnik, der 1896 aus Tschechien eingewandert ist und eine Grazer Bauerntochter geheiratet hat. Den Kampf gegen die internationale Migration hat Europa fast verloren, wir Österreicher müssen schauen, dass wir ein starkes Glied in der Kette sind.Hofrat Dr. Willfried Kovárnik. Leiter Verwaltungs- und Fremdenpolizei der Stadt Wien.Selbst 1000 Freunde zu haben ist mir noch zu wenig, so wie mir auch 1 Feind zu viel ist. Rachmat Budiman, Botschaftsrat, Information und öffentliche Diplomatie, Botschaft der Republik von Indonesien.Man hat den Auftrag, die Straßenverkehrsordnung einzuhalten. Manchmal ist man halt spät dran. Im Prinzip wäre man ja in einem CD-Auto exterritorial, aber man will es ja nicht auf die Spitze treiben. Über meine frühere Tätigkeit in einer Botschaft und bei einer internationalen Organisation kann ich auf der Bühne nichts sagen. Ich hoffe auf eine stumme Rolle. Horst Fischer, vormals bei einer Botschaft, dann Chauffeur einer internationalen Organisation, heute Sekretär eines Honorargeneralkonsulats.Am Satz “ein Diplomat ist ein ehrlicher Mann, der ins Ausland geschickt wird, um für sein Vaterland zu lügen" ist einiges dran, man muss sich oft verstellen und etwas vorspielen. Bei meinem Auslandseinsatz in Konsulat in Lagos musste ich allerdings vor allem die Schauspielereien von Visa-Bewerbern beurteilen - 10 Männer sprachen vor, die zu einem Gynäkologen-Kongress in Wien wollten, aber bei der Befragung nicht sagen konnten wie lange eigentlich eine Schwangerschaft dauere; Golfspieler, die nicht wissen, was ein Handicap ist, Architekten, die kein Haus zeichnen konnten.Martin Thelen, Rechtsabteilung Auswärtiges Amt, ehemaliger Konsul in Lagos.Man muss als Diplomat gern deplaziert werden. Aber man muss auch aufpassen, wo man steht. General Noriega hat zum Beispiel immer wieder versucht, sich mit uns fotografieren zu lassen, um sich öffentlich durch uns den "Persilschein" zu holen. Und man muss sich anpassen, sonst wird man schlecht gesetzt.’To put Austria on the map' war meine Aufgabe als Diplomat in der Welt. Dr. Wolfgang Schallenberg, Botschafter i.R. , ehem. Generalsekretär für Auswärtige Angelegenheiten Es kommen über 250 Teilnehmer im Anzug. Jeder muss ein Land nehmen, das nicht seins ist. Es gibt Leute, die unbedingt in den Sicherheitsrat wollen oder Amerika spielen, andere nehmen sich lieber einen Exoten, von dem sie noch nie gehört haben. In eine Rolle sich einzuarbeiten dauert ungefähr einen Tag, die Realitätsnähe der Darstellung nimmt mit den Tagen zu.Irene B. Stöckl, Vienna International Model United Nations (Vimun)Das Bundesmobilien-Depot liefert die roten Teppiche. 30 Meter für den Flughafen und 60 Meter für die militärischen Ehren im Burghof. Der eine Präsident kommt mit 300 Sicherheitsleuten, der andere mit einer Begleitmannschaft von 800 Leuten. Neulich wollte eine Delegation ihre eigenen Maschinenpistolen mitbringen. Es wurde in einem Land bei einem Präsidentenbesuch schon verlangt, dass sogar die Gewehre der dortigen Ehrengarde unscharf gemacht werden. Mag. Elisabeth Sevelda-Gredler, Fachexpertin für Veranstaltungslogistik im Bundesministerium für auswärtige Angelegenheiten.In Litauen habe ich die österreichische Botschaft aufgebaut, bis das Haus gefunden und umgebaut war, empfing ich die Botschaftsgäste erst in meinem Hotelzimmer, dann in meiner Wohnung. Ein Polizist saß Tag und Nacht vor der Tür. Mein Hund war in Litauen vielleicht noch bekannter als ich. Botschafter aus dem Westen kannte man schon, aber so einen kleinen Hund, der auch noch folgt - darüber gab es sogar Fernsehsendungen.Gesandter Dr. Florian Haug, Leiter der Abteilung wissenschaftlich-technische Zusammenarbeit im Bundesministerium für auswärtige Angelegenheiten.Die sog. Cocktail-Diplomatie ist ja nur ein Teilauschnitt aus unserem Berufsspektrum. Daneben gibt es z.B. die Laptop-Diplomacy: Im Kosovo zum Beispiel habe ich nach Weisung Verhandlungen mit den Rebellen geführt. In der Zeit wurde meine Familie drei Mal aus Belgrad evakuiert, zum dritten mal endgültig. Wiener Bälle sind oft soziale Ereignisse, das kann man für das Image Österreichs im Ausland positiv nutzen, da kommt man als kleines Land schon mal auf die Titelseiten der Zeitungen. Legationsrat Mag. Jan Kickert, Ministerium für auswärtige Angelegenheiten. Jeder bereitet sich seinen Charakter vor, welche Stärken und Schwächen er hat- dann suche ich das richtige Setting: In einer leeren Wohnung, im Wald oder am Brett... Ein Live Rollenspiel kannst du überall spielen. Wenn du ein Zukunftsszenario planst, musst du zum Beispiel auch Ethik einbauen. Ein Live kann mehrere Tage dauern. Die Waffen sind selbstgebastelte Requisiten und tun nicht weh, aber Konflikte und Extremsituationen gehören dazu. Bei zu viel Diplomatie schläft das Spiel ein.Deniz Taskiran, Game Master und Story Teller.


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