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Oper nach dem Zufallsprinzip

By Daniel Wetzel im Gespräch mit André Mumot

02.02.2019 / Deutschlandfunk Kultur

Ein Stück, das aus bekannten Opernarien besteht. Per Zufallsprinzip werden sie aufeinander losgelassen: Rimini-Protokoll inszeniert in Wuppertal "Europeras 1 & 2" von John Cage aus dem Jahr 1987. Und unterlegt das Werk mit einer politischen Dimension.
"Ich hoffe, man kann in dem Stück sitzen und so ein bisschen darüber nachdenken, wie viel am eigenen Leben eigentlich der Zufall mitgeschrieben hat."
Darum geht es Regisseur Daniel Wetzel von der Gruppe Rimini Protokoll, der am Wuppertaler Opernhaus derzeit eine Oper von John Cage inszeniert - "Play: Europeras 1 & 2".
Als der amerikanische Komponist das Werk 1987 konzipierte, sagte er: "200 Jahre lang haben uns die Europäer ihre Opern geschickt. Nun schicke ich sie alle zurück."
"Die Oper spielt sich selbst"
Entsprechend besteht "Europeras" von John Cage aus bekannten Opern-Arien, die per Zufallsprinzip auf einander losgelassen werden.
Die Oper, so Wetzel, spiele hier mit sich selbst. "Die Oper ist mit sich verschaltet. Und meine Aufgabe war eigentlich, immer wieder darauf zu beharren, dass wir hier mit dem Zufall spielen."
Der Ablauf wird gleichsam erwürfelt. Wetzel erläutert die Arbeitsweise so: "Wann treten Sänger auf? Wann ist Licht? Wann ist Arbeitslicht? Wann tragen die Leute Kostüme? Wann sind sie mit Requisiten unterwegs? Wann haben sie Gefühle? Wann singen sie neutral? All diese Parameter haben wir eben zufällig ermittelt."
Die Solistinnen und Solisten für die Aufführung in Wuppertal fand Wetzel in acht europäischen Städten. Dort wurden die Arien, die sie singen, in zwei Tagen aufgenommen. "Und das ist dann so ein großes Videoinstallationsereignis", sagt Wetzel.
Die Oper als Video-Ereignis und als Fest, bei dem sich die Kunstformselbst feiert, das ist "Europeras" in Wuppertal. Doch auch um die politische Dimension des Kontinents wird mitgedacht.
Wetzel sagt: "Bei EUROPERAS geht es ja sehr darum, dass alles miteinander nicht verbunden ist. Und ich glaube, das ist eine sehr europäische Realität."
Unser Theaterkritiker Stefan Keim war bei der Premiere in Wuppertal und berichtet von einer "Hommage an die Oper", bei der ein ganz "eigener Sound" kreiert wurde. Obwohl jeder etwas anderes spiele und es schräg klinge, mache die "spielerische und unverkrampfte Art, mit diesem musikalischen Erbe umzugehen", Lust auf mehr. Der Abend hat unserem Kritiker "sehr gut gefallen".

Projects

Play* Europeras 1&2