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Von Haug / Kaegi / Wetzel

„Wir sind in der verrückten, unerwarteten und unverständlichen Situation, dass wir im Wettbewerb mit den Quallen stehen. Und sie sind dabei, zu gewinnen“, sagt die australische Meeresbiologin und Quallen-Expertin Lisa-Ann Gershwin.

Seit mindestens 670 Millionen Jahren schweben die Quallen - unverändert - durch unsere Weltmeere und fast alles, was Schaden an unserem Ökosystem anrichtet, scheint den Quallen gut zu tun: Die Überfischung der Meere sorgt dafür, dass es weniger Raubfische gibt, die die Quallen reduzieren könnten. Plastiktüten im Wasser töten weitere Fressfeinde wie die Schildkröten. Zudem blühen Quallen in wärmerem Wasser auf. Denn das verlängert ihre Brutsaison, während viele Fische durch den geringeren Sauerstoffanteil im Wasser leiden. „Wärmeres Wasser ist ein Desaster für alles, was atmet und ein Traum für alles, das nicht groß atmet wie die Quallen“, sagt Gershwin.

So drohten Anfang letzten Jahres massive Quallen-Invasionen die Fischbestände der südaustralischen Hafenstadt Whyalla auszulöschen und legten vorübergehend das schwedische Atomkraftwerk in Oskarshamn lahm, weil sie die Kühlwasserzufuhr des Reaktors verstopften...

Meeresforscher kommen deshalb zu einer apokalyptische Prognose: „Quallen sind die Letzten, die noch übrig sein werden, wenn alles andere zerfällt.“
In Zusammenarbeit mit Meeresbiologen und Tierpflegern inszeniert Rimini Protokoll den Blick auf diese Lebewesen als Blick zurück auf deren Beobachter.

 

win > < win ist eine Installation im Rahmen der Ausstellung „After the End of the World“ (kuratiert von José Luis de Vicente), produziert vom CCCB (Barcelona) in Ko-Produktion mit FACT+BLUECOAT+RIBA NORTH (Liverpool).

Konzept: Helgard Kim Haug, Stefan Kaegi, Daniel Wetzel
Mit: Jamileh Javidpour (Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung)
Daniel Strozynski (Zoo Berlin | Aquarium Berlin | Tierpark Berlin)
Lisa Ann Gershwin (Autorin von "Stung! On Jellyfish Blooms and the Future of the Ocean“, Hobart, Australien)
Boris Koch (Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung
u.a.

Architektur: Guillermo Santoma
Technischer Leiter: Alejandro Olariaga
Sound und Synchronisation: Carlos Gómez
Produktion und Koordination: CCCB