Cargo Congo-Lausanne

Eine afrikanisch-schweizerische LKW-Fahrt

Von Stefan Kaegi

Fernfahrer tragen ihre Vornamen direkt hinter der Windschutzscheibe, sitzen drei Meter über der Straße und haben 500 PS unter dem rechten Fuß. Sie haben viele Länder gesehen, aber kennen die Städte nur von ihren Ausfahrtsschildern. In ihre Biografien hat sich die Geschichte der Globalisierung eingeschrieben. 

„Cargo Congo-Lausanne“ ist ein gelebtes räumliches Modell, ein umgebauter Lastwagen, der statt Waren Erzählungen transportiert. Auf der linken Seite ist er durchsichtig: Ein mobiler Zuschauerraum, der den Blick auf West-Lausanne freigibt. 

Im Théâtre Vidy in Lausanne werden jeden Abend 47 Zuschauer auf eine zweistündige Reise verfrachtet: Autobahnraststätten, Verladerampen, Lagerhallen... Zu diesen Ready-Made-Bühnenbildern des Transits fügen sich eine kongolesische und eine schweizerische Biografie aus dem Führerstand. 

Unterwegs begegnen die beiden Trucker westschweizer Spediteuren und portugiesischen Kranfahrern: Sie arbeiten in flutbelichteten Hallen in der kalten Winternacht, während andere ins Theater gehen. 

Afrikanische Rhythmen und Filmmusik vertonen die vorbeiziehende Stadt Kurve für Kurve. Wo Ware war, sitzen Zuschauer und blicken durch die Scheibe zurück auf ihre Stadt, die immer weiter weg zu liegen scheint.

 

Konzept / Regie: Stefan Kaegi
Musik: Stéphane Vecchione
Regieassistenz: Emilie Blaser
Produktionsassistenz: Olivier Charmillot
Mit: Roger Sisonga, Denis Ischer
Produktion: Rimini Protokoll, Théâtre Vidy-Lausanne

 

Basierend auf Cargo Sofia-X, eine Produktion von HAU Hebbel am Ufer Berlin und Goethe-Institut Sofia 2006